LAUDEMANN

Hohe Anforderungen gemeistert.

Innovativer Sichtbeton beim Besucherzentrum Herkules in Kassel.

Hochwertiger Sichtbeton gilt allgemein als hohe Kunst des Bauens. Bei der Ausführung des Besucherzentrums Herkules in Kassel, welches 2011 eröffnet wurde, hat die Laudemann GmbH aus Sontra in der Bauausführung mit innovativen Verfahren neue Maßstäbe für die Betontechnik gesetzt. Das Ergebnis ist ein in architektonischer und baulicher Hinsicht spektakuläres Gebäude, das dem Bergpark in Kassel zur Aufnahme in die UNESCO-Welterbe-Liste verhelfen soll.

Schräge Unterbauflächen, unregelmäßig geformte Wände und höchste Anforderungen an den Sichtbeton: Der Bau des Besucherzentrums Herkules stellte das Bauunternehmen Laudemann vor große Herausforderungen, die durch innovative Betonbauverfahren und ein ausgeklügeltes Projektmanagement bewältigt wurden. Bei der Umsetzung von der Entwurfs- in die Werkplanung stellte sich nämlich heraus, dass das vom renommierten Büro Staab Architekten aus Berlin entworfene Gebäude aufgrund der komplizierten Bauteildimensionen mit gängigen Herstellungsverfahren und üblichem Aufwand nicht baubar war. Das mittelständische Unternehmen aus dem Werra-Meißner-Kreis ließ sich von diesem Umstand nicht abschrecken und trug mit Know-how und Herzblut maßgeblich dazu bei, dass das insgesamt 3,5 Millionen Euro teure Bauwerk vom zweidimensionalen Entwurf in die dreidimensionale Realität als vollständiges Betongebäude umgesetzt werden konnte. Die entwickelten bautechnischen Verfahren lassen sich auch für zukünftige Sichtbetonbauten einsetzen und können dazu beitragen, die Ausführungsqualität dieser kostspieligen Bauform allgemein zu optimieren.

Das Unmögliche durch Eigenentwicklungen möglich gemacht

Die Herstellung von Sichtbeton mit hohen optischen Anforderungen gilt allgemein als eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Bauwesen, da sehr viele Parameter wie zum Beispiel die Koordinierung der beteiligten Zulieferer und die Beachtung selbst unscheinbarer Details bei der Planung und Ausführung maßgeblich sind. Kleinste Planungs- und Ausführungsfehler führen zum Misslingen und verursachen hohe Kosten. Im Falle des Besucherzentrums Herkules waren die ohnehin bestehenden hohen Anforderungen durch verschiedenste Planungsvorgaben verschärft. Beispielhaft für die schwierige Realisierung des Bauvorhabens war die Herstellung der bis zu 9 Meter hohen, reliefartigen Außenfassade aus Sichtbeton. Diese wurde als 20 cm dicke Vorsatzschale vor eine Tragschale mit Wärmedämmverbundsystem in Teilsegmenten betoniert. Hierfür musste ein an die schwierige Schalungsgeometrie angepasster selbstverdichtender Beton entwickelt werden. Daher konzipierte die Laudemann GmbH mit dem beauftragten Transportbetonhersteller eine spezielle Betonrezeptur, welche aufgrund einer hohen Eigenverdichtung gewährleistete, dass sich die Struktur der reliefartigen Schalung auch an konstruktiv extrem schwierigen Stellen vollständig abbilden konnte. Beim Einbau des Betons wurden speziell angefertigte Betonierschläuche eingesetzt, da die von den Architekten geforderte geringe Wanddicke den Einbau maßgeblich erschwerte (üblich sind bei den gegebenen Proportionen Wanddicken von 25 bis 30 Zentimetern). Zum Einsatz kam eine vor- und rückspringende Schalung mit einer besonderen Schalhaut, die in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Hersteller für das Bauvorhaben anhand mehrerer Probewände optimiert wurde. Für den reliefartigen Abdruck in der Fassade wurde aufgrund der Vorgaben im Fassadenplan jedes Schalungselement individuell angefertigt. Hierfür mussten in Handarbeit Brettchen in unterschiedlichsten Längen, Breiten und Dicken auf die Schalhaut aufgebracht werden. Die Schalungsplatten mit einer Gesamtfläche von 1.500 Quadratmetern kamen bei dem vorliegenden Bauvorhaben nur einmal zum Einsatz, damit eine gleichmäßige Optik der Betonoberflächen sichergestellt werden konnte.

Präzision wie im Bootsbau

Aufgrund der sehr geringen Konsistenz und der damit einhergehenden Leichtflüssigkeit des Betons stellten vor allem schräg verlaufende Flächen eine große Herausforderung dar. Zum Beispiel setzt sich unterhalb der großen Panoramafenster die Reliefstruktur der senkrechten Außenwände ebenfalls fort. Unter sehr beengten Umständen musste der Bewehrungsstahl verlegt werden. Der Bau der speziell herzustellenden Schalungsabschnitte forderte präzise Schreinertechniken, wie man sie sonst nur im Bootsbau kennt. Die Herstellung des kritischen Bereichs unterhalb des Panoramafensters zum Herkules dauerte insgesamt zwei Monate – ein Aufwand der den besonderen Anforderungen in diesem Bereich geschuldet war, der sich jedoch gelohnt hat, da das Ergebnis tadellos ist. Die Außenfassade wurde nach der Erstellung zusätzlich sandgestrahlt. Damit konnte erreicht werden, dass sich das Besucherzentrum nicht nur architektonisch, sondern auch in Bezug auf die Rauigkeit der Oberfläche an die Umgebung anpasst – speziell an den regionalen Tuffstein, aus dem das Herkules-Monument hergestellt wurde.

Höchste Ansprüche im Innenbereich

Im Innenbereich des insgesamt 750 Quadratmeter großen Gebäudes war die Sichtbetonklasse SB4 gefordert. Dies ist die höchste im Regelwerk bestehende Anforderung, welche besonders bei öffentlichen Gebäuden mit hohem repräsentativem Wert gefordert wird (zum Beispiel beim Bundeskanzleramt in Berlin). Neben der Einheitlichkeit, Glattheit und Farbgleichheit des Betons der Innentragschale wurde von der Fläche zusätzlich gefordert, dass sich das Fugenbild von den unregelmäßig geformten Wänden im gleichen Raster über die schräg verlaufende Decke fortsetzt. Deshalb passte die Laudemann GmbH die individuell angefertigten Schalungselemente mit hohem Aufwand schräg verlaufend und millimetergenau an die vorgegebenen Maße und Gestaltungsanforderungen an.

Vom Detail zur Gesamtsituation

Die Ausführung von Details bei Sichtbeton SB4 ist oftmals die Achillesferse der Bauweise, denn Fehlstellen wie zum Beispiel stumpfe Kanten, ausgelaufene Ankerlöcher oder schlecht ausgebildete Fugen werden nicht toleriert und hätten einen Abriss und Neubau der Bauteile zur Folge. Deshalb verlangten die Ausführung der Wandöffnungen für Fenster und Türen, die einheitliche, scharfkantige Ausbildung von Fugen und Ankerlöchern sowie der Einbau deckenbündiger Leuchten in die Betonbauteile höchste Sorgfalt, fachliches Können und Ideenreichtum. Spezielle Abdichtungen verhinderten, dass aufgrund des hohen Schalungsdruckes im Bereich der Anker und der Stöße der Schalungsplatten Zementleim ausläuft, was zu optischen Einbußen geführt hätte. Die Einbauleuchten wurden exakt austariert und an der Stahlbewehrung befestigt, so dass sie beim Betonieren im Deckenbeton versanken und nach dem Ausschalen bündig und passgenau zur Oberfläche angeordnet waren. Das Ergebnis der Innenraumsituation zeigt Sichtbeton in Vollendung: Der samtweiche Beton folgt der klaren Struktur des Fugenrasters und verbindet sich optisch in Harmonie mit dem Holz der Inneneinrichtung. Zugleich unterstreicht die Flucht der symmetrischen Fugen die Blickrichtung auf das Herkules-Monument.

Herkulesaufgabe gemeistert

Der Bergpark in Kassel mit dem Herkules-Monument ist seit 300 Jahren eine Touristenattraktion in der Region. Das Bauunternehmen Laudemann GmbH hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass der Bergpark nun um eine Attraktion reicher ist und sich demnächst eventuell sogar als UNESCO-Welterbe bezeichnen kann. In technischer Hinsicht besteht die Leistung der Laudemann GmbH darin, dass sie eine Fülle von innovativen Verfahren innerhalb der Bautechnik angewandt hat, die das Bauwerk – das zunächst als nahezu nicht realisierbar galt – letztendlich entstehen ließ. Zahlreiche Artikel in Architektur- und Bauzeitschriften haben das Besucherzentrum bereits ausführlich gewürdigt und es wäre wünschenswert, dass das Besucherzentrum Herkules einen Beitrag dazu leistet, die Qualität bei der Herstellung von Sichtbetongebäuden voranzutreiben.

Ausführliche Besprechungen in Fachzeitschriften:
  TB-iNFO - Das Transportbeton-Magazin, Ausgabe 4 /2011: „Hohe Anforderungen gemeistert - Innovativer Sichtbeton beim Besucherzentrum Herkules in Kassel.“ S. 20 -23.
  bba (Bau, Beratung, Architektur), Ausgabe 10/2011: „Markant unaufdringlich. Neubau eines Besucherzentrums in Kassel“. S. 26-28.
  Baumeister, Ausgabe 8/2011: „Im Schatten des Riesen. Besucherzentrum am Herkules.“ S. 80-84.‘
  Betonprisma, Ausgabe 93/2011: „Formen und Flächen“. S. 15.
  Allgemeine Bauzeitung ABZ, Ausgabe 4. November 2011: „Sichtbeton ermöglicht moderne Architektur im geschichtlichen Umfeld.“
  Beton-Informationen (mehrseitiger Fachartikel in 2012)
  Baukultur (umfangreicher Artikel im Sonderheft „Betonbau“)

Architekt: Staab Architekten, Berlin
Bauherr: Land Hessen, vertreten durch Hessisches Baumanagement HBM Regionalniederlassung Nord Kassel

Mehr Bilder, LAUDEMANN aktiv


Aktuell
Unternehmen
Leistungsspektrum
Innovationen
Job und Karriere
Login
Impressum
MultiMedia-Broschüre

Laudemann GmbH Bauunternehmen Sontra, info@laudemann-gmbh.de