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Der Aushub ist erledigt. Neun Meter tief sind die zwei neuen Nachklärbecken, die zur Zeit im Zuge des Ausbaus der dritten Reinigungsstufe in der Verbandskläranlage in Grifte entstehen. Sie sollen nach den Auflagen der Europäischen Union Stickstoff aus dem Abwasser entfernen und sind für 22.000 Einwohner ausgelegt. Zum offiziellen Startschuss der Bauarbeiten kamen(v.l.) Edgar Slawik (Bürgermeister Guxhagen), Roland Lorenz (Baunataler Stadtrat und Vertreter des Abwasserverbandes für Hertingshausen), Werner Meyn (Ingenieurbüro Gajowski), Karl-Heinz Färber (Bürgermeister und Vorsteher des Abwasserverbandes Edermünde) sowie Polier Willi Göbel von der Firma Laudemann aus Sontra. Links die beiden neuen Becken. Rechts: Die Mauern des Belebungsbeckens, in dem Sauerstoff zugeführt wird, sollen im Zuge des Ausbaus der dritten Reinigungsstufe um zwei Meter aufgestockt werden.Fotos: Katja Rink
Grifte. Zwei gewaltig große Erdlöcher haben die Bagger in der Verbandskläranlage in Grifte seit November ausgehoben. So tief sind sie, dass aus ihnen sogar das Grundwasser sprudelt. Die Pumpe läuft auf Hochtouren und befördert pro Sekunde 50 Liter Nass bergauf. Mit mächtigem Druck steigt es durch etliche Rohre neun Meter in die Höhe und fließt schließlich in die Eder.
Zur Zeit erfolgt der Ausbau der dritten Reinigungsstufe, die im September 2005 fertiggestellt sein soll. Dazu gehören zwei neue Nachklärbecken mit einem Fassungsvermögen von jeweils 1200 Kubikmetern und die Aufstockung des vorhandenen Belebungsbeckens.
Den offiziellen Startschuss gab am Freitagmorgen bei strahlendem Sonnenschein und stahlblauem Himmel Edermündes Bürgermeister Karl-Heinz Färber.
„Die Anlage dient dazu, kritische Stoffe zurückzuhalten und Stickstoff aus dem Wasser zu entfernen. Damit richten wir uns nach den Auflagen der Europäischen Union. Die Länder waren gefordert, diese umzusetzen, um die Gewässer, Bäche und Flüsse, zu schonen. Den Betrieb halten wir auch während des Umbaus aufrecht“, erklärte er. Färber ist Vorsteher des Abwasserverbandes Edermünde und Umgebung, der die gemeinsame Kläranlage betreibt für das Gemeindegebiet, den Baunataler Stadtteil Hertingshausen, die Kerngemeinde Guxhagen sowie deren Ortsteile Albshausen und Wollrode. Gleichzeitig soll der Umbau weitere Kapazitäten schaffen: die Leistungsfähigkeit der Kläranlage von 14.000 auf 22.000 Einwohner steigern.
„Das Abwasser durchläuft mehrere Stationen der Aufbereitung“, erläuterte Werner Meyn vom Ingenieurbüro Gajowski in Baunatal, beauftragt mit der Planung und Bauleitung des Projektes. „Zunächst werden Mineralien und Fette durch Rechen und Sandfang entfernt, in einem Vorklärbecken setzen sich alle organischen und schweren Bestandteile ab, anschließend steht der Faulturm. Von dort aus geht es weiter in das sogenannte Bio-Phosphor-Becken. In der neuen Nachkläranlage wird dann der Stickstoff eliminiert, im Belebungsbecken Sauerstoff zugeführt.“ Der anfallende Klärschlamm, versetzt mit Kalk, würde als Dünger in der Landwirtschaft genutzt. Dieser Weg spare etwa ein Drittel des Geldes, das für eine Deponie anfallen würden, berichtete Färber. Eine Millionen Euro seien in eine neue Elektronik investiert worden. Zusätzlich denke man über eine Photovoltaikanlage sowie ein neues Blockheizkraftwerk nach.
Die Kosten für den Ausbau belaufen sich laut Bürgermeister auf insgesamt 5,6 Millionen Euro. Davon übernehme das Land Hessen 2,2 Millionen. Bleibt eine Differenz von 3,4 Millionen Euro. Von dieser Summe könne der Abwasserverband Edermünde 1,5 Millionen aus Rücklagen der vergangenen acht Jahre finanzieren, für den Rest müssten Kredite aufgenommen werden. Deshalb sei es nicht auszuschließen, dass es zu einer Gebührenerhöhung käme.
Färber: „Ich bin mir bewusst, dass eine zusätzliche finanzielle Belastung die Bürger schmerzt. Noch ist in dieser Richtung nichts beschlossen. Wir versuchen, die Kosten gering zu halten. Die Gebühren berechnen sich nach der Schmutzfracht der Gemeinden. Edermünde trägt dabei einen Anteil von 45 beziehungsweise 50 Prozent, Guxhagen kommen 35 Prozent des Abwassers zu, Baunatal 15 bis 20.“
Eine zweite Variante zu den Nachklärbecken als herkömmlicher Version ist die sogenannte Membranfiltration. Unter technischen Gesichtspunkten wäre auch diese Methode in Grifte umsetzbar gewesen, erklärte Färber. Sie sei jedoch kostenintensiver. (kr)
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