System noch in Kinderschuhen

Bauunternehmer Heinrich Laudemann macht sich für den dualen Ausbildungsgang stark.


Quelle: Werra-Rundschau / 2007-12-04


Sontra. Für den Sontraer Bauunternehmer Heinrich Laudemann sind innovative Ausbildungssysteme schon immer ein besonderes Steckenpferd gewesen. Jüngstes Beispiel ist der Weg, den er dem 18-jährigen Christian Wagner ebnete (WR berichtete).
Heinrich Laudemann hat noch viele weitere Vorstellungen, will junge Leute ansprechen, die sich für die Bauwirtschaft entschieden haben. „Es muss unser Ziel sein, Ingenieure mit mehr praktischem Bezug zu schulen“, erklärte der Firmenchef gegenüber der WR, „dass im Bauwesen bereits seit 2004 ein dualer Ausbildungsgang an der Universität in Kassel existiert, der aber leider nicht so richtig aus den Kinderschuhen wächst.“
Hervorragende Perspektiven
Das Angebot, das Prof. Dr.-Ing. Volkhard Franz von der Uni in Kassel macht, er ist der Initiator des dualen Systems, sieht folgendermaßen aus: „Mit absolvierten Lehren zum Facharbeiter im Straßen- oder Maurer im Hochbau, das Ganze in Kombination und Verbindung mit einem Studium zum Bauingenieur in einem verkürzten Zeitkorridor von viereinhalb Jahren, eröffnen sich hervorragende Perspektiven für die Arbeitswelt“, erläutert Prof. Volkhard Franz, wie sehr sich die Bauwirtschaft die enge Verzahnung von Theorie und Praxis wünscht.
Abitur oder Fachhochschulreife seien, so Bauunternehmer Heinrich Laudemann, die nötigen Voraussetzungen. „Wir haben viele junge Leute ausgebildet, die auf dem theoretischen Sektor sehr gut sind“, verschweigt der Bauunternehmer die Kehrseite der Medaille nicht und beklagt dabei „Hänger“ bei einfachsten praktischen Dingen. Klar ist natürlich auch, dass sich genügend Unternehmen finden müssen, die diese praktische Ausbildung ermöglichen. „Wir sind bereit“, macht Heinrich Laudemann deutlich und will in der Region eine Vorreiterfunktion einnehmen.
Der Fachbereich Bauingenieurwesen an der Universität Kassel geht außerdem Kooperationen mit den überbetrieblichen Ausbildungsstellen der Bauwirtschaft und den Berufsschulen in Kassel und Erfurt ein. Die Koordination der Bewerber und Teilnehmer nimmt der oben genannte Professor Franz vom Institut für Bauwirtschaft vor.
Selber bewerben
In kurzen Worten erläutert Heinrich Laudemann die in verschiedene Abschnitte unterteilte Ausbildung. Das ersten Jahr sieht betriebliche und überbetriebliche Anteile und den Besuch der Berufsschule vor. Nach der Zwischenprüfung vor der IHK oder der Handwerkskammer beginnt das Studium, und parallel dazu sind in der vorlesefreien Zeit - mittlerweile sind zwei Semester absolviert - zusätzliche Lehrphasen angesagt. Vor dem dritten Semester kann der Auszubildende bereits seine Abschlussprüfung zum Spezialbaufacharbeiter ablegen, um danach das Studium zum Diplombauingenieur fortzuführen. „Am Ende der viereinhalb Jahre ist eine Doppelqualifikation erreicht, die große Chancen auf dem Arbeitsmarkt der Bauwirtschaft einräumt“, lässt Heinrich Laudemann erkennen und spricht die Interessenten an, die sich natürlich selbst bei Hoch- und Straßenbaufirmen, die von der IHK oder Handwerkskammer als Ausbildungsbetrieb anerkannt sind, bewerben müssen.
Jung und motiviert
„Mit dem dualen System können wir qualifizierten und gleichermaßen praxiserfahrenen Nachwuchs fördern“, konstatiert Laudemann, der die Zukunft der Bauwirtschaft durch hochmotivierte junge Leute gesichert sieht. Sowohl Schüler als auch Ausbildungsbetriebe können sich über den dualen Weg informieren. In Kassel (Vorwahl 0561) sind Prof. Franz (Universität) unter 804-26 16, die Arbeitsgemeinschaft Stufenausbildung unter 958510, der Verband baugewerblicher Unternehmen Hessen unter 789810 und der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen unter 974750 zu erreichen.

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